Ob es die Art seiner Schrift war oder die Form seines Buches? Beides war nicht dem Praktischen erlegen, sondern vielmehr aus einer anderen Zeit. Die Schrift aus einer Zeit, als man sich noch Briefe schrieb, wo die Handschrift noch von Bedeutung war. Die Form des Buches, aus einer Zeit, als man sich noch Gedanken um die Verpackung eines Buches gemacht hat und dabei Form, Farbe und das Gefühl des ersten Berührens bedacht hat. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn der Titel dieses Buches „Der vielleicht größte Schatz“ in jeder Hinsicht passend ist.

Markus Mirwald hat dieses Buch geschrieben, gedruckt und vertrieben. Er ist ein Philosoph wie ihn die alten Griechen einst verstanden haben, denn er besitzt die Liebe zur Weisheit. In seinem Buch vermag er Aussagen zu machen, die aus einer vergangenen Epoche zu stammen scheinen. Doch nur weil Social Media und internationale Interessenverbände uns nur noch mit Antworten füttern, vermag es kaum noch jemand nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Die Antworten würden zu einer Revolution führen, Kriege auslösen und die apokalyptischen Szenarien US-amerikanischer Regisseure Realität werden lassen. Es ist einfach nicht mehr gewollt zu fragen. In solch einer Zeit braucht es genau dieses Buch, einen Leitfaden für die Menschheit nicht unterzugehen.

 

C&D: Erzähl unseren Lesern bitte etwas über Deinen Werdegang!

Ich wurde 1982 in Vorarlberg geboren. Meinen beruflichen Weg habe ich in einem traditionellen Handwerk begonnen und eine Lehre als Orgelbauer absolviert. Das erste selbstverdiente Geld habe ich zum Reisen durch Europa genutzt und bin dadurch auf verschiedene Kulturen, Lebensentwürfe und -realitäten aufmerksam geworden. Vor allem eine große Reise nach dem Lehrabschluss durch Südamerika hat dazu geführt, dass ich nicht nur tausende Fotos geschossen, sondern auch viele Situationsbeschreibungen und Gedichte geschrieben habe.

Als ich danach das Studium der Soziologie begonnen habe, hat sich mein freies Schreiben mit der Zeit immer mehr auf das Format der Aphorismen beschränkt. Nach dem Studium habe ich gemeinsam mit anderen ein Cohousing-Projekt verwirklicht, in dem ich jetzt mit meiner Frau wohne.

 

C&D: Erzähl unseren Lesern bitte etwas zum Entstehungsprozess von „Der vielleicht größte Schatz“!

Die erste Veröffentlichung meiner Aphorismen, und auch anderer Texte, erfolgte ab dem Jahr 2000 im Internet auf selbstprogrammierten Webseiten. Mich hat die Möglichkeit fasziniert, über dieses Medium theoretisch die ganze Welt erreichen zu können. Gleichzeitig war ich mit dieser Veröffentlichungsform nie ganz glücklich, was sich auch daran gezeigt hat, dass ich meine Webseiten ständig neugestaltet oder überarbeitet habe.

2016 habe ich einige meiner schönsten Aphorismen mit ein paar selbstgeschossenen Urlaubsbildern kombiniert und auf Postkarten gedruckt. Die Reaktionen waren überaus positiv und nach kurzer Zeit waren fast alle verkauft. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass die Fotos oftmals vom Text ablenken, der für mich aber wichtiger war und im Vordergrund stehen sollte.

„Der vielleicht größte Schatz“ ist in der Folge daraus entstanden: Dieses Buch zeichnet sich durch sein schlichtes und innovatives Design aus. Die 50 Aphorismen werden jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt und sowohl in Handschrift als auch in gesetzter Schrift dargestellt. Kurios und spannend finde ich, dass auf der linken Seite jeweils nur die Nummer des Aphorismus steht – ähnlich einer Seitenzahl – wodurch sehr viel weiße Fläche im Buch ist, die ich als angenehm empfinde und „still“ wirkt. Das Buch wird übrigens nach höchsten ökologischen Maßstäben in Österreich produziert und ist cradle-to-cradle zertifiziert. Das bedeutet, dass es zu 100% recycelt werden kann – was eine echte Seltenheit ist (aber nicht der Sinn eines und schon gar nicht dieses Buches, Anmerk. der Red.).

 

C&D: Du hast das Buch allein veröffentlicht. Aus welcher Motivation hast Du dieses Buch veröffentlicht?

Ich wollte, dass ich mein Buch genau so gestalten kann, wie ich es für stimmig halte – ohne auf einen Verlag oder dessen Vorstellungen von dem, was sich in der Folge verkaufen lassen könnte, Rücksicht nehmen zu müssen. So konnte ich mir zum einen Zeit lassen und zum anderen ein innovatives Konzept entwickeln, das sich zu meiner größten Zufriedenheit schließlich nicht nur für mich als stimmig, sondern auch für meine Leserschaft als ansprechend herausgestellt hat.

 

C&D: Wie bist Du vorgegangen?

Zu dem Zeitpunkt, als ich mich dazu entschlossen hatte, ein Buch zu veröffentlichen, hatte ich bereits mehrere hundert Aphorismen geschrieben. Teilweise waren dies Entwürfe, teilweise aber auch fast fertige, teilweise recht geschliffene Texte. Ich habe mich dann daran gemacht mir die für mich stimmigsten 100 oder 150 Stück auszusuchen, zu überarbeiten und mit meinem Lektor zu diskutieren. In der Folge habe ich viele umgeschrieben oder auch verworfen. Mit der Zeit hatte ich etwa 120 Aphorismen, die ich als „fertig“ erachtet habe. Aus diesen habe ich 50 ausgewählt und in eine für mich passende Reihenfolge gebracht. Dabei habe ich darauf geachtet, dass sich die Themen nicht unmittelbar hintereinander wiederholen und aufeinander folgende Aphorismen in ihrer Art recht unterschiedlich sind.

In einem zweiten Schritt ging es um die Konzeption des Buches: Wie sollten die Aphorismen präsentiert werden? „Mit Fotos!“, dazu haben mir viele Menschen geraten. „Oder mach doch einen Kalender mit Sprüchen!“, das bekam ich auch oft zu hören. Meine Grundidee war jedoch ohne Fotos auszukommen. Leider ist es auch schwierig, ausschließlich mit einer reduzierten Typografie ein spannendes Buch zu machen, wodurch ich erst mal in einen offenen Denk- und Gestaltungsprozess geworfen wurde, wo nicht klar war, wie das funktionieren könnte. Dann bin ich über meinen Schwiegervater, einen Kalligrafen, Maler und Bildhauer, auf die Idee gekommen mit meiner Handschrift zu arbeiten. Ich bin kein Kalligraf und es war auch nicht mein Ziel nach den Regeln der Kalligrafie zu arbeiten. Vielmehr habe ich eine japanische Kalligrafie-Feder genutzt, um meine Handschrift in schwarzer Tinte aufs Papier zu bringen. Natürlich gilt es dabei das passende Papier zu nutzen und es war etwas Übung notwendig, damit das einigermaßen lesbar wird. Ich hatte in den Jahren zuvor ja fast nur mit dem Computer geschrieben.

Mit diesen Entwürfen bin ich zu meinem Grafiker gegangen, mit dem ich das grafische Konzept der Buchserie erarbeitet habe. Ich wusste, dass ich jeden Aphorismus sowohl in Handschrift als auch in gedruckter Schrift im Buch haben wollte. Und mir war klar, dass der Stil sehr reduziert sein sollte. Und ich wollte, dass bereits auf der Titelseite meine Handschrift als Gestaltungselement verwendet wird. Aufbauend auf diesen Vorgaben hat mein Grafiker dann das Layout entwickelt. Gegen die Verwendung des Autorenfotos im Buch habe ich mich erst in letzter Sekunde entschieden. Dieses ist nun nur auf der Webseite zu sehen. Ausschlaggebend war der Gedanke, dass das Konzept der Buchserie – wie auch schon der Name „Wesentliches in wenigen Worten“ andeutet – die Reduktion auf das Wesentliche zum Thema hat. Und in Anbetracht dessen, ist ein Autorenfoto eine deutliche Störung dieses Konzeptes, auch wenn es für die Leserschaft vielleicht interessant gewesen wäre. Es ist immerhin noch ein Text über mich als Autor enthalten – und auch das Impressum mit der Nennung aller involvierten Personen und Unternehmen eine schöne Ergänzung zum Inhalt.

Den Druck habe ich bei einer österreichischen Druckerei, die sich auf eine möglichst nachhaltige und umweltverträgliche Produktion spezialisiert hat, in Auftrag gegeben. Diese habe ich gemeinsam mit meinem Grafiker besucht und vor Ort das Papier, die Machart der Bindung und des Umschlags, die Farbe des Lesebändchens und alles Weitere ausgesucht. Das Papier ist übrigens ein Sonderpapier, das die Druckerei eigens für mich gekauft hat. Und dann stand eines Tages eine ganze Palette mit etwas mehr als 1.000 Exemplaren meines ersten Buchs vor unserer Haustür.

 

C&D: Was soll als nächstes folgen?

Zur Zeit bin ich mit dem Aufbau der Vertriebsstrukturen und der Erarbeitung der Marketing-Kanäle  und -konzepte beschäftigt. Heute habe ich das die Presse-Informationen zum Buch geschrieben und warte nun auf die Rückmeldung vom Lektor, sodass das heute noch online gehen kann. Ich bin mit zwei Barsortimenten in Verhandlung, habe mein Buch bei einem Wettbewerb eingereicht und arbeite auch schon an der Herausgabe des zweiten Bandes. Diesen möchte ich möglichst bald fertigstellen.

 

C&D: Hast Du ausreichend Zeit der Leidenschaft des Schreibens nachzugehen?

Ja und Nein. Ich habe glücklicherweise momentan viel Zeit für meine Tätigkeit als Autor und Selbstverleger. Diese Aufgabenprofile umfassen jedoch viel mehr, als nur zu schreiben: Marketing, Vertrieb, Buchhaltung… selbst der Bau von einem Bücherregal, um hunderte Bücher lagern zu können, gehört da dazu. Aus diesen Gründen könnte ich die Frage nach ausreichend Zeit zum Schreiben genauso gut auch mit „Nein“ beantworten wenngleich das natürlich auch Einteilungssache ist. Mein Tag hat aber trotzdem nur 24 Stunden – und hin und wieder muss auch ich schlafen oder etwas anderes arbeiten.

 

C&D: Warum sollte man sich Dein Buch kaufen?

Mein Buch ist ein toller Begleiter auf dem Weg zur Selbstreflexion oder um einen Denkprozess anzustoßen. Über meine Aphorismen kann man auch wunderbar diskutieren. Darüber hinaus ist es ein sehr schönes, langlebiges und hochwertiges Geschenk.

 

C&D: Siehst Du Dein Buch als Kunstwerk oder als Erfüllung eines persönlichen Traums?

Definitiv ist es für mich beides. Es ist in jeder Hinsicht – vom Inhalt über das Design bis hin zur Machart – so schön geworden, wie ich es mir erhofft hatte. Und es ist ein unglaubliches Gefühl, mit diesem Buch einen Grundstein für weitere Publikationen gelegt zu haben. Die Latte liegt hoch – denn zum einen habe ich darin die feinsten meiner Aphorismen aus den letzten 15 Jahren versammelt, zum anderen aber auch „Band 1“ darauf geschrieben. Jetzt warten schon viele Menschen auf mehr – und erwarten sich viel.

 

C&D: Welches Buch hast Du als letztes gekauft?

Als letztes habe ich zwei Bücher für meinen Neffen gekauft. Er geht jetzt in den Kindergarten und liebt Bücher. Auch meine bunten Karten findet er toll, auch wenn er sie selbstverständlich noch nicht lesen kann.

Für mich habe ich vor ein paar Tagen ein Buch von Mathias Morgenthaler gekauft. Es heißt „Out of the box“ und beschreibt ungewöhnliche berufliche Werdegänge. Der Untertitel ist: „Vom Glück die eigene Berufung zu leben“. Mit etwas Glück kann ich in dieser Hinsicht auch ein leuchtendes Beispiel werden / einmal eine tolle Geschichte erzählen.

 

C&D: Wie siehst Du die allgemeine Buchmarkt-Situation und die Chance sich mit einem Independent-Werk zu behaupten?

Zum ersten Teil der Frage: Ich weiß, dass die Umsätze der Buchbranche nicht mehr traumhaft wachsen, wie das früher der Fall war. Vielmehr haben viele Verlage und Buchhandlungen große Schwierigkeiten am Leben zu bleiben. Und auch die meisten Autoren und Autorinnen können nicht vom Schreiben alleine leben.

Gleichzeitig sind Bestseller, die in einer anderen Sprache verfasst wurden und nun auf Deutsch erscheinen in den Buchhandlungen sehr präsent, sodass für deutschsprachige Autoren – von Österreich ganz zu schweigen – weniger Platz bleibt.

Zudem beobachte ich, dass in vielen Buchhandlungen dieselben Bücher ausliegen. Diese werden über verschiedene Kanäle massiv beworben, werden jedoch der tatsächlich herrschenden Vielfalt – und auch Qualität – der Bücher am Markt nicht immer gerecht. Ich denke, dass es früher oder später wieder eine Gegenbewegung zu dieser Uniformierung geben wird – und sich in Zukunft mehr Buchhandlungen mit regionalen oder thematischen Besonderheiten etablieren können.

Zum zweiten Teil der Frage: Wenn das Buch toll ist, kann daraus mit etwas Glück viel wachsen. Glück gehört immer dazu, denke ich. Aber damit man eine glückliche Gelegenheit auch zu nutzen vermag, gilt es diese zu erkennen und darauf vorbereitet zu sein. Und das ist eben auch eine Arbeit, die zu tun ist. Autoren, die von einem Verlag verlegt werden, haben mehr Unterstützung, wenn es darum geht in Buchhandlungen ausgestellt zu werden oder in den Medien präsent zu sein. Und sie müssen die hohen Kosten für Druck, Grafik, Marketing und Vertrieb nicht selbst tragen – und gehen in dieser Hinsicht viel weniger Risiko ein. Gleichzeitig sind Verlagsautoren oftmals nicht so frei in der Konzeption ihres Buches. Vielmehr müssen sie sich meist recht eng an das halten, was der Verlag sich von ihnen wünscht, weil es sich möglicherweise gerade gut verkaufen lässt. Der Kreativität sind dann mitunter schon engere Grenzen gesetzt.

 

C&D: Was möchtest Du unseren Lesern noch mitteilen?

Ich hoffe, dass Du der Lust und Liebe zum Lesen in Deinem Leben genügen Raum schenken kannst! Lesen ist eine wunderbare Weise Zeit zu verbringen: es ist unterhaltsam, inspirierend und lehrt uns viel über das Leben. Das richtige Buch ist immer eine wunderbare Begleitung.

Ich danke für das Interview und wünsche eine inspirierende Lektüre!

 

 

Interview: Thomas Ziegler

Text: Oliver Williams

Diese Rezension mit Interview findet sich auch auf:

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