Preview

Markus Mirwald konzentriert sich auf das Wesentliche des Menschseins: Er stellt die zentrale Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein. Dazu gibt er den Lesern wertvolle Denkanstöße in Form von Aphorismen, die auf dem Literaturmarkt heutzutage oftmals zu kurz kommen. Er fasst sich kurz – und das ganz bewusst! Die pointierten Sinnsprüche sind sowohl zeitlos als auch aktueller denn je.

 

Review

Aphorismen als eigenständige Untergattung der Prosa verdeutlichen bekanntlich einen Widerspruch, wobei diese enthaltene Antithese auch eine mögliche Synthese aufzeigen kann. Dem Autor gelingt es, auf literarisch und philosophisch anspruchsvolle Weise Lösungswege beispielsweise für Konflikte in der (heutigen) Gesellschaft anzudeuten, ohne dass daraus eine Plattitüde wird. Die Sätze sind nicht bloß zum Überfliegen gedacht – man liest sie automatisch mehrmals, bis sich ihr Sinn immer weiter offenbart. Bis die prägnanten Sätze ihre philosophische Wirkung entfachen.

Die äußere Gestaltung des Buches ist qualitativ sehr hochwertig – ein Traum für jeden Bibliophilen. Es eignet sich daher perfekt als Geschenk. Verschenken kann man das Buch z.B. sehr gut an Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen und natürlich auch an sich selbst.

Was einem sofort ins Auge springt ist zum einen, dass jeder Aphorismus eine ganze Seite einnimmt. Das ist genau der Raum, den er verdient. Zum anderen ist der jeweilige Satz einmal in Schreibschrift, in der Handschrift des Autors, und darunter noch einmal in Druckschrift abgedruckt. Schon allein hieran zeigt sich ein Gegensatz: Während die Handschrift das Menschsein verdeutlicht, steht die Maschinenschrift für das Nicht-Menschsein. Kultur und Technik prallen visuell aufeinander. Doch auch hier kann man sich wieder die Frage nach einer Synthese stellen. Lassen sich Kultur und Technik (in der Zukunft) vereinen? Aber ja!

Ein interessantes Detail ist zudem die fortgeführte Seitenzahl von Band 1 („Der vielleicht größte Schatz“, 2017) über Band 2 („Bei Licht besehen“, 2018) zum neu erschienenen Band 3, der mit Seite 101 beginnt. Dadurch werden die Bände zu einem Ganzen zusammengefügt. Nichtsdestotrotz muss man die anderen beiden Bände nicht unbedingt gelesen haben, um den dritten Band zu verstehen; er steht in diesem Gefüge wiederum für sich.

Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht, ist die Fähigkeit bzw. der Mut zur Veränderung:

 

„Mensch zu sein bedeutet,

stets zu wandeln,

was wir geworden sind.“ (S. 138)

 

Die prägnantesten Schlagwörter wie Mut, Chance, Freiheit, Glück, Zukunft, Hoffnung, Liebe sind allesamt positiv konnotiert. Ein anderer Kernbegriff ist hingegen zugleich das Wort Verantwortung. Jeder trägt die Verantwortung für sich, aus der Zukunft etwas Positives zu machen. Außerdem wird öfters mit den konträren Begriffen Vergangenheit und Zukunft gespielt:

 

„Nostalgie ist der sehnliche Wunsch,

die Zukunft durch die Vergangenheit zu ersetzen.“ (S. 107)

 

Vertraute Aspekte des menschlichen Zusammenlebens werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.

 

Best Quote

„Schreibend verleihen wir Buchstaben einen Sinn,

der dem Lesenden zum Geschenk wird.“ (S. 132)

 

Learning

Die Aphorismen rufen uns Lesern wieder ins Gedächtnis, dass wir die Möglichkeit haben, schon mit kleinen Veränderungen im Alltag unser gesamtes Leben umzugestalten, wenn wir es nur wollen. Und das nicht, indem wir Tipps aus einem 300-seitigen Ratgeber beherzigen, sondern selbst – mithilfe der Aphorismen – aktiv darüber nachdenken.

Gabriele Goßmann

Diese Rezension findet sich auch auf:

www.auslesbar.de